Konstruktiver Entwurf
Wintersemester 2026/27
Eichenhof Niesky - Studentisches Wohnen und Lernen
Modulnr.: AD 510
Betreuung: Prof. Ansgar Schulz, Prof. Benedikt Schulz, Enrico Glotz, Nina Gromoll, Lorenzo Scheibner, Paul Schmelzer
Niesky ist eine Kleinstadt in der Oberlausitz, deren Geschichte eng mit dem industriellen Holzbau verbunden ist. 1887 verlegte die Firma Christoph & Unmack ihre Fertigung nach Niesky und wuchs in den folgenden Jahrzehnten zu einem der größten Holzbauunternehmen Europas. Anfangs stellte sie transportable Baracken her. Diese bestanden aus vorgefertigten Holztafeln, die sich schnell montieren und wieder demontieren ließen. Daraus entwickelte sich ein umfangreiches Programm vorgefertigter Holzhäuser, das vom Einfamilienhaus bis zu Schulen und Krankenhäusern reichte. Von 1926 bis 1929 war Konrad Wachsmann Chefarchitekt des Werks. Er entwarf nicht in erster Linie einzelne Gebäude, sondern das System aus Maßordnung, Bauteil und Verbindung, aus dem die Häuser hervorgingen.
Auch die Bildung spielt in Niesky seit der Gründung durch die Herrnhuter Brüdergemeine im Jahr 1742 eine große Rolle. Neben mehreren renommierten Schulen und Internaten sowie einem Pädagogium bestand hier eine Missionsschule, die ihre Absolventen für den Dienst in aller Welt ausbildete.
An diese beiden Traditionen knüpft die Entwurfsaufgabe an. Auf dem Grundstück Eichenhof, einer innerstädtischen Brache, soll für die Studierenden des Holzbaucampus Niesky ein Ort entstehen, der Wohnen und Lernen verbindet. Das Raumprogramm gliedert sich in zwei Teile. Wie sich diese zueinander verhalten, ist Teil der Entwurfsaufgabe. Der erste Teil umfasst das studentische Wohnen mit unterschiedlichen Wohnformen. Im zweiten Teil entstehen Lern- und Werkbereiche, in denen Wissen über den Baustoff Holz auch praktisch vermittelt wird. Neben einem großen Lern- und Arbeitssaal gehören dazu Werkstätten und eine Materialbibliothek. Die beiden geschützten Gerbereichen in der Mitte des Grundstücks geben dem Ort seinen Namen und sind Teil des Entwurfs. Gebaut wird in Holz. Die Bauweise ist aus dem Konzept heraus zu entwickeln, ob Massivholz-, Holzrahmen-, Skelett- oder Hybridbauweise. Das Ensemble soll sich verändern lassen, ohne abgebrochen zu werden, Die studentischen Einheiten sollen sich später zu größeren Wohnungen zusammenfassen lassen, ohne wesentlich in das Tragwerk einzugreifen.
Leitbild der Aufgabe ist der Gebäudetyp E, wobei das „E“ für einfach und experimentell steht. Der Ansatz geht auf eine Initiative der Architektenkammern zurück und fragt, welche Standards ein Gebäude tatsächlich braucht. Unberührt bleiben die Schutzziele Standsicherheit, Brandschutz, Gesundheit und Umweltschutz. Zur Disposition stehen dagegen Ausstattung, Komfort und technische Ausrüstung, soweit sie über das Notwendige hinausgehen. Jede Anforderung ist deshalb auf ihre Notwendigkeit zu prüfen. An ihre Stelle treten einfache, robuste und ressourcensparende Lösungen, die ihre Qualität aus Konstruktion, Raum und Material beziehen. Wo auf Standards verzichtet wird, ist das im Entwurf zu begründen.
Einführung und Ortsbesichtigung: 08. Oktober 2026
Anmeldung: über selma
Sommersemester 2026
Schleusentreppe Wüsteneutzsch
Fahrradstation und Outdoorcamp
Modulnr.: AD 510 Betreuung: Prof. Ansgar Schulz, Prof. Benedikt Schulz, Sofia Ceylan, Enrico Glotz, Nina Gromoll, Paul Schmelzer
Das bedeutendste Ingenieurbauwerk sowohl des Saale-Elster-Kanals als auch des gesamten Südflügels des Mittellandkanals war die geplante Schleusentreppe bei Wüsteneutzsch. Sie bestand aus zwei hintereinander angeordneten Schleusen, die zusammen einen Höhenunterschied von rund 22 Metern überwinden sollten.
Die bestehende Ruine ist ein Relikt einer Zeit, in der Flüsse zentrale Verkehrsadern darstellten. Die historische Schifffahrt, insbesondere durch die sogenannten „1.000-Tonnen-Schiffer“, war geprägt von einem effizienten und vergleichsweise ressourcenschonenden Transport großer Gütermengen. Bewegung erfolgte im Einklang mit der Landschaft und ihren natürlichen Gegebenheiten. Geschwindigkeit spielte eine untergeordnete Rolle, entscheidend war die verlässliche und energieeffiziente Fortbewegung. Mit der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße hat sich dieses Verhältnis grundlegend verändert. Der LKW steht heute für maximale Flexibilität und Geschwindigkeit, jedoch auch für einen deutlich höheren Energieverbrauch und eine zunehmende Belastung von Umwelt und Infrastruktur. Die ursprüngliche Logik der langsamen, landschaftsgebundenen Bewegung ist weitgehend verloren gegangen.
Das Fahrrad knüpft in überraschender Weise an diese ursprüngliche Form der Fortbewegung an. Es steht für eine neue, bewusste Mobilität, die sich wieder stärker an der Landschaft orientiert und mit minimalem Energieeinsatz auskommt. Anders als die historische Schifffahrt dient das Fahrrad jedoch nicht primär dem Transport, sondern der individuellen Erfahrung von Raum, Strecke und Umgebung.
Ziel der Aufgabe ist die Auseinandersetzung mit einem historischen Infrastrukturobjekt und dessen Transformation in einen zeitgemäßen Nutzungszusammenhang. Die vorhandene Schleusentreppe soll als identitätsstiftende Struktur erhalten, aktiviert und räumlich weiterentwickelt werden.
Im Zentrum des Entwurfs steht die Integration eines überdachten Outdoor-Schwimmbeckens innerhalb der Ruine. Dieses stellt einen unmittelbaren Bezug zum Element Wasser her und macht die ursprüngliche Funktion des Ortes sinnlich erfahrbar. Die bestehenden Türme und Wände sollen als Kletterstrukturen nutzbar gemacht und in das Gesamtkonzept eingebunden werden.
Ergänzend ist ein Funktionsgebäude zu entwickeln, das Gastronomie, Empfang, Servicebereiche sowie einen Konferenzraum umfasst. Darüber hinaus ist ein differenziertes Übernachtungsangebot für Einzelreisende, Familien und Gruppen wie Schulklassen vorzusehen. Die Anlage wird an den Fahrradtourismus angebunden und als Station in ein übergeordnetes Netz nachhaltiger Mobilität integriert.
Der Außenraum soll so gestaltet werden, dass er die einzelnen Nutzungen miteinander verknüpft und die räumliche Wirkung der historischen Anlage stärkt.
Ziel ist die Entwicklung eines Ortes, der über seine Funktion hinausgeht und als Erfahrungsraum wirkt. Die ehemalige Infrastruktur des Transports wird dabei zu einer Station des bewussten Reisens transformiert.
Anmeldung: über selma