Diplom / Vertiefung
Wintersemester 2026/27
DIPLOM
Ringtower Leipzig
Betreuung: Prof. Ansgar Schulz, Prof. Benedikt Schulz, Christian Wischalla
Vor etwa hundert Jahren bestimmten zwei Wettbewerbe die Architekturszene. Im November 1921 wurde von der Turmhaus AG in Berlin der Wettbewerb für ein Hochhaus auf einem Grundstück am Bahnhof Friedrichstraße ausgelobt, und ein halbes Jahr später schrieb die Chicago Tribune einen internationalen Wettbewerb für den Bau eines Wolkenkratzers aus, das neue Redaktionsgebäude an der Michigan Avenue.
Die Ergebnisse beider Wettbewerbe waren richtungsweisend für nachfolgende Generationen von Architekten. Interessanterweise waren es aber nicht die Entwürfe der Gewinner, die uns nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Diese waren eher angepasst, langweilig und gerieten später fast in Vergessenheit. Nein, die kühnen Entwürfe anderer Teilnehmer, die aufgrund ihrer Radikalität nicht prämiert wurden, beeindrucken uns noch bis heute: In Berlin war es Ludwig Mies van der Rohes Entwurf eines gläsernen Hochhauskörpers, der wie ein fein gegliedertes Kristall aussah, und in Chicago waren es Walter Gropius Design für ein Hochhaus mit liegenden Fensterformaten und Adolf Loos ironisierender Vorschlag einer riesigen dorischen Säule. Das sind die Bilder, die uns Architekten über Jahrzehnte bis heute in Erinnerung geblieben sind.
Gewonnen haben Mies, Gropius und Loos damals nichts. Im Nachhinein beeinflusst haben sie mit ihren radikalen Ideen jedoch unzählige Kollegen. Vielleicht ist auch heute wieder soweit, dass wir mit der Königsaufgabe Hochhaus - neben Kirche, Museum und Theater eine der spektakulärsten Entwurfsaufgaben - Richtungsentscheidungen für die Zukunft der Baukunst setzen können. Es sollte auch heutzutage wieder mehr darum gehen, Experimente zu wagen und Dinge entstehen zu lassen, die uns genug Diskussionsstoff für die nächsten Jahre geben.
Auf das Studium übertragen heißt das, mit dem finalen Entwurf im Diplom, am voraussichtlichen Ende der universitären Laufbahn, noch einmal alles auf den Punkt zu bringen - so radikal wie Mies, Gropius oder Loos zu denken und dabei die Grenzen des Machbaren zu erforschen. Wer die Aufgabe so frei angeht, wird die dabei entstehenden Erfahrungen nutzen können, um die Weichen für seine zukünftige architektonische Haltung zu stellen, ähnlich wie es die großen Vorbilder damals gemacht haben.
Das Grundstück für den Entwurf in unserer Zeit befindet sich in einer der noch immer am schnellsten wachsenden Städte Europas, in Leipzig, Und es liegt hier in genauso prominenter Lage wie damals an der Friedrichstraße bzw. an der Michigan Avenue.
Das Planungsgebiet im Zentrum Leipzigs an der Spitze Goerdelerring/Ranstädter Steinweg blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Mit dem Aufkommen der Errichtung erster Hochhäuser in Europa war für diesen Standort seit jeher ein Hochpunkt vorgesehen. Umgesetzt wurde aber bis dato keiner der zahlreich erbrachten Vorschläge. Er reiht sich damit in eine Entwicklung ein, die die angedachte Markierung des Stadtzentrums bis heute unvollendet erscheinen lässt. Mit einem Hochhaus an dem Standort würde eine seit fast einhundert Jahren geführte Diskussion über ein städtebauliches Zeichen in diesem Stadtraum beendet.
Gesucht ist ein dem Standort angemessener qualitätvoller Baustein, der sich als weithin sichtbare Landmarke in die Reihe der bestehenden Hochpunkte der Leipziger Ringanlage eingliedert. Im Sinne einer Stadtkronenarchitektur stellt er einen weiteren wichtigen Markierungspunkt der Leipziger Innenstadt dar. Dementsprechend sollte der neue Stadtbaustein eine Höhe von maximal 100m aufweisen. Aufgrund seiner Lage ist eine sensible Verknüpfung mit der Umgebung zu erarbeiten. Dies bezieht sich sowohl auf die angrenzenden Bestandsbauten als auch das innerstädtische Umfeld.
Bezüglich der Nutzung lässt sich der Baustein in drei Themenbereiche unterteilen: Sockel, Schaft und Krone. Den Sockel ausbildend ist ein öffentlichkeitswirksames Erdgeschoss mit großzügigem Foyer zu planen. Weiterhin denkbar sind beispielsweise Gewerbe- und Gastronomieflächen. Die Nutzung des Schaftes und der Krone ist wesentlicher Teil der Konzeptentwicklung. Für den Hauptteil des Gebäudekomplexes, den Schaft wird ein Mix aus verschiedenen Nutzungen favorisiert. Der krönende Abschluss des Hochpunktes bedarf dann einer besonderen Ausformulierung. Ob dieser öffentlich zugänglich oder einer privaten Nutzung vorbehalten sein wird, ist konzeptbedingt zu definieren.
Einführung und Ortsbesichtigung: 09. Oktober 2026
Anmeldung: Es gelten die Termine des Prüfungsamtes. Anmeldung möglich per E-Mail
Wintersemester 2026/27
DIPLOM
Freie Themen
Betreuung: Prof. Ansgar Schulz, Prof. Benedikt Schulz, Christian Wischalla
Anmeldung: Es gelten die Termine des Prüfungsamtes. Anmeldung möglich per E-Mail
Wintersemester 2026/27
VERTIEFUNGSENTWURF
Eichenhof Niesky - Studentisches Wohnen und Lernen
Modulnr.: AD 911
Betreuung: Prof. Ansgar Schulz, Prof. Benedikt Schulz, Christian Wischalla
Niesky ist eine Kleinstadt in der Oberlausitz, deren Geschichte eng mit dem industriellen Holzbau verbunden ist. 1887 verlegte die Firma Christoph & Unmack ihre Fertigung nach Niesky und wuchs in den folgenden Jahrzehnten zu einem der größten Holzbauunternehmen Europas. Anfangs stellte sie transportable Baracken her. Diese bestanden aus vorgefertigten Holztafeln, die sich schnell montieren und wieder demontieren ließen. Daraus entwickelte sich ein umfangreiches Programm vorgefertigter Holzhäuser, das vom Einfamilienhaus bis zu Schulen und Krankenhäusern reichte. Von 1926 bis 1929 war Konrad Wachsmann Chefarchitekt des Werks. Er entwarf nicht in erster Linie einzelne Gebäude, sondern das System aus Maßordnung, Bauteil und Verbindung, aus dem die Häuser hervorgingen.
Auch die Bildung spielt in Niesky seit der Gründung durch die Herrnhuter Brüdergemeine im Jahr 1742 eine große Rolle. Neben mehreren renommierten Schulen und Internaten sowie einem Pädagogium bestand hier eine Missionsschule, die ihre Absolventen für den Dienst in aller Welt ausbildete.
An diese beiden Traditionen knüpft die Entwurfsaufgabe an. Auf dem Grundstück Eichenhof, einer innerstädtischen Brache, soll für die Studierenden des Holzbaucampus Niesky ein Ort entstehen, der Wohnen und Lernen verbindet. Das Raumprogramm gliedert sich in zwei Teile. Wie sich diese zueinander verhalten, ist Teil der Entwurfsaufgabe. Der erste Teil umfasst das studentische Wohnen mit unterschiedlichen Wohnformen. Im zweiten Teil entstehen Lern- und Werkbereiche, in denen Wissen über den Baustoff Holz auch praktisch vermittelt wird. Neben einem großen Lern- und Arbeitssaal gehören dazu Werkstätten und eine Materialbibliothek. Die beiden geschützten Gerbereichen in der Mitte des Grundstücks geben dem Ort seinen Namen und sind Teil des Entwurfs. Gebaut wird in Holz. Die Bauweise ist aus dem Konzept heraus zu entwickeln, ob Massivholz-, Holzrahmen-, Skelett- oder Hybridbauweise. Das Ensemble soll sich verändern lassen, ohne abgebrochen zu werden, Die studentischen Einheiten sollen sich später zu größeren Wohnungen zusammenfassen lassen, ohne wesentlich in das Tragwerk einzugreifen.
Leitbild der Aufgabe ist der Gebäudetyp E, wobei das „E“ für einfach und experimentell steht. Der Ansatz geht auf eine Initiative der Architektenkammern zurück und fragt, welche Standards ein Gebäude tatsächlich braucht. Unberührt bleiben die Schutzziele Standsicherheit, Brandschutz, Gesundheit und Umweltschutz. Zur Disposition stehen dagegen Ausstattung, Komfort und technische Ausrüstung, soweit sie über das Notwendige hinausgehen. Jede Anforderung ist deshalb auf ihre Notwendigkeit zu prüfen. An ihre Stelle treten einfache, robuste und ressourcensparende Lösungen, die ihre Qualität aus Konstruktion, Raum und Material beziehen. Wo auf Standards verzichtet wird, ist das im Entwurf zu begründen.
Einführung und Ortsbesichtigung: 08. Oktober 2026
Anmeldung: über selma
Sommersemester 2026
VERTIEFUNGSENTWURF
Schleusentreppe Wüsteneutzsch
Fahrradstation und Outdoorcamp
Modulnr.: AD 911
Betreuung: Prof. Ansgar Schulz, Prof. Benedikt Schulz, Christian Wischalla
Das bedeutendste Ingenieurbauwerk sowohl des Saale-Elster-Kanals als auch des gesamten Südflügels des Mittellandkanals war die geplante Schleusentreppe bei Wüsteneutzsch. Sie bestand aus zwei hintereinander angeordneten Schleusen, die zusammen einen Höhenunterschied von rund 22 Metern überwinden sollten.
Die bestehende Ruine ist ein Relikt einer Zeit, in der Flüsse zentrale Verkehrsadern darstellten. Die historische Schifffahrt, insbesondere durch die sogenannten „1.000-Tonnen-Schiffer“, war geprägt von einem effizienten und vergleichsweise ressourcenschonenden Transport großer Gütermengen. Bewegung erfolgte im Einklang mit der Landschaft und ihren natürlichen Gegebenheiten. Geschwindigkeit spielte eine untergeordnete Rolle, entscheidend war die verlässliche und energieeffiziente Fortbewegung. Mit der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße hat sich dieses Verhältnis grundlegend verändert. Der LKW steht heute für maximale Flexibilität und Geschwindigkeit, jedoch auch für einen deutlich höheren Energieverbrauch und eine zunehmende Belastung von Umwelt und Infrastruktur. Die ursprüngliche Logik der langsamen, landschaftsgebundenen Bewegung ist weitgehend verloren gegangen.
Das Fahrrad knüpft in überraschender Weise an diese ursprüngliche Form der Fortbewegung an. Es steht für eine neue, bewusste Mobilität, die sich wieder stärker an der Landschaft orientiert und mit minimalem Energieeinsatz auskommt. Anders als die historische Schifffahrt dient das Fahrrad jedoch nicht primär dem Transport, sondern der individuellen Erfahrung von Raum, Strecke und Umgebung.
Ziel der Aufgabe ist die Auseinandersetzung mit einem historischen Infrastrukturobjekt und dessen Transformation in einen zeitgemäßen Nutzungszusammenhang. Die vorhandene Schleusentreppe soll als identitätsstiftende Struktur erhalten, aktiviert und räumlich weiterentwickelt werden.
Im Zentrum des Entwurfs steht die Integration eines überdachten Outdoor-Schwimmbeckens innerhalb der Ruine. Dieses stellt einen unmittelbaren Bezug zum Element Wasser her und macht die ursprüngliche Funktion des Ortes sinnlich erfahrbar. Die bestehenden Türme und Wände sollen als Kletterstrukturen nutzbar gemacht und in das Gesamtkonzept eingebunden werden.
Ergänzend ist ein Funktionsgebäude zu entwickeln, das Gastronomie, Empfang, Servicebereiche sowie einen Konferenzraum umfasst. Darüber hinaus ist ein differenziertes Übernachtungsangebot für Einzelreisende, Familien und Gruppen wie Schulklassen vorzusehen. Die Anlage wird an den Fahrradtourismus angebunden und als Station in ein übergeordnetes Netz nachhaltiger Mobilität integriert.
Der Außenraum soll so gestaltet werden, dass er die einzelnen Nutzungen miteinander verknüpft und die räumliche Wirkung der historischen Anlage stärkt.
Ziel ist die Entwicklung eines Ortes, der über seine Funktion hinausgeht und als Erfahrungsraum wirkt. Die ehemalige Infrastruktur des Transports wird dabei zu einer Station des bewussten Reisens transformiert.
Anmeldung: über selma