12.06.2026
FOVOG @ UAM Workshop 20.-22.4.2026
Am 21. April 2026 fand im polnischen Poznań der durch Daniela Bianca Hoffmann und Rafał Witkowski initiierte erste Workshop zwischen Mitarbeitenden der Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte (FOVOG) und der Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu (UAM) statt. Ziel der Veranstaltung war es, die Forschenden beider Institutionen miteinander bekannt zu machen und Perspektiven für zukünftige grenzüberschreitende Kooperationen sowie gemeinsame Forschungsprojekte zu entwickeln. Zu diesem Zweck wurden laufende Projekte und Werkstattberichte in einem hybriden Format präsentiert und diskutiert.
Raczyński-Bibliothek in Poznań
Bereits am Vortag erhielten die Dresdner Gäste in der Raczyński-Bibliothek unter fachkundiger Führung von Jakub Kujawiński, Miłosz Sosnowski und Bartosz Jabłoński Einblicke in ausgewählte Handschriftenbestände. Der Besuch bot nicht nur die Gelegenheit, bedeutende Quellen mittelalterlicher Überlieferung kennenzulernen, sondern verdeutlichte zugleich die zentrale Rolle von Handschriften und materieller Überlieferung für zahlreiche der vorgestellten Forschungsprojekte.
Der Workshop wurde durch Rafał Witkowski eröffnet; eine Einführung in mögliche Formen zukünftiger Zusammenarbeit erfolgte durch Mirko Breitenstein. Die anschließenden Vorträge spiegelten die thematische Breite der an beiden Institutionen betriebenen Forschung wider. Vorgestellt wurden unter anderem Projekte zu monastischen Netzwerken, zu diplomatischer Netzwerkforschung, zu normativen und rituellen Grundlagen klösterlicher Leitungswechsel, zu hagiographischen Quellen und prosopographischen Untersuchungen, zu Fragen von Erinnerungskultur, Zensur und Textüberlieferung sowie zu editorischen und archäologischen Forschungsvorhaben. Trotz der unterschiedlichen Zugänge zeigten sich zahlreiche thematische Berührungspunkte, die während der Diskussionen immer wieder aufgegriffen wurden.
Besondere Bedeutung kam dem abschließenden Round Table zu, den Emilia Jamroziak moderierte. Aus den Präsentationen und Gesprächen wurden mehrere gemeinsame Forschungsfelder herausgearbeitet, die ein erhebliches Potenzial für zukünftige Kooperationen erkennen lassen. Hierzu zählen insbesondere Netzwerke in Zeiten von Krisen und Gewalt, Netzwerke des Wissens sowie Prozesse von Textüberlieferung und Textentwicklung, Fragen von Memoria, Identität und Informationskontrolle in Klöstern, archäologische Zugänge zur Ordensgeschichte sowie das Verhältnis lokaler, regionaler und ordensweiter Kontexte. Diese Themenfelder sollen nun in den beteiligten Institutionen weiter diskutiert und für zukünftige gemeinsame Vorhaben konkretisiert werden.
Universitätsbibliothek Poznań
Am letzten Tag stand der Besuch der Universitätsbibliothek Poznań auf dem Programm. Gemeinsam mit Studierenden konnten weitere Handschriften und Drucke besichtigt werden, darunter eine Erstausgabe der Schedelschen Weltchronik. Damit wurde ein thematischer Bogen geschlagen, der die Bedeutung schriftlicher Überlieferung sowohl als Forschungsgegenstand als auch als Grundlage zukünftiger Kooperationen nochmals unterstrich.
Insgesamt bot der Workshop einen gelungenen Rahmen für die Präsentation aktueller Forschung, den fachlichen Austausch und das persönliche Kennenlernen der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die zahlreichen inhaltlichen Überschneidungen und die im Round Table identifizierten Themenfelder verdeutlichten das Potenzial einer vertieften Zusammenarbeit zwischen der FOVOG und der UAM. Derzeit ist bereits ein Gegenbesuch in Dresden in Planung, bei dem die begonnenen Gespräche fortgeführt und die entwickelten Ideen weiter konkretisiert werden sollen.