30.09.2026
22 Maßnahmen, ein Ziel: So will die TUD bis 2035 treibhausgasneutral werden
Marie-Luise Steffler, Referentin für Klimaschutz an der TUD
Das Integrierte Klimaschutzkonzept der TUD ist fertiggestellt: In diesem Sommer haben sowohl der Senat als auch das Rektorat dem Konzept einstimmig zugestimmt. Damit ist ein wichtiger Schritt getan – doch ein Konzept allein senkt noch keine Emissionen.
Das Konzept zeigt, wo die TUD beim Klimaschutz ansetzen kann, welche Veränderungen notwendig sind und welche Handlungsmöglichkeiten sie selbst hat. Gleichzeitig wird deutlich: Nicht alle Entscheidungen liegen bei der Universität. Was bedeutet das für die Umsetzung? Wo kann die TUD selbst handeln, wo braucht es andere Akteur:innen – und wie wird aus 22 priorisierten Maßnahmen konkretes Handeln? Darüber sprechen wir mit unserer Referentin für Klimaschutz.
Am 4.12.2026 laden wir von 13 bis 14.30 Uhr die interessierte TUD-Öffentlichkeit ein, um das neu beschlossene Klimaschutzkonzept vorzustellen, ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Möglichkeiten des Mitmachens kennenzulernen.
Anmeldung: klimaschutz.management@tu-dresden.de
1. Warum braucht die TUD überhaupt ein Klimaschutzkonzept?
Ein Klimaschutzkonzept schafft zunächst eine gemeinsame Grundlage: Es macht sichtbar, wo die Treibhausgasemissionen der TUD entstehen, welche Handlungsmöglichkeiten bestehen und wer für welche Schritte Verantwortung übernehmen kann. Gerade bei einer Universität mit vielen Standorten, Gebäuden und unterschiedlichen Zuständigkeiten ist das wichtig.
Nicht alle Entscheidungen liegen dabei bei der TUD selbst. Die Gebäude sind beispielsweise nicht Eigentum der Universität. Auch die meisten Versorgungsverträge werden durch den Freistaat abgeschlossen. Anderes verantwortet die Uni selbst und kann entsprechend auch selbst handeln. Das Klimaschutzkonzept hilft deshalb dabei, die eigenen Einflussmöglichkeiten von denen anderer Akteur:innen zu unterscheiden.
Damit wird Klimaschutz zu einer gemeinsamen Aufgabe: Wo die TUD selbst entscheiden kann, liegen die Handlungsmöglichkeiten unmittelbar bei ihr. Wo andere Akteur:innen beteiligt sind, geht es darum, die eigenen Anforderungen und Interessen klar zu formulieren und Veränderungen gemeinsam voranzubringen. Das Konzept ist damit nicht nur ein Maßnahmenplan, sondern auch eine Grundlage für Kommunikation und Zusammenarbeit.
2. Warum wurde das Ziel der Treibhausgasneutralität der TUD bis zum Jahr 2035 angesetzt?
Das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2035 knüpft an die Nachhaltigkeitsstrategie der TUD an. Das Jahr 2035 ist dabei vor allem eine Zielmarke, die Orientierung gibt und zum Handeln verpflichtet. Eine gemeinsam gestaltete und getragene Transformation braucht Zeit. Notwendige Veränderungen müssen ebenso wie Planungs- und Investitionsprozesse frühzeitig angestoßen werden. Je früher die Transformation beginnt und je schneller fossile Abhängigkeiten reduziert werden, desto früher können auch die Emissionen sinken.
3. Wo liegen derzeit die größten Hebel für den Klimaschutz – und wo sind die größten Herausforderungen?
Einen besonders großen Hebel bietet die Beschaffung. Sie ist in der Treibhausgasbilanz der TUD der größte Emissionsposten. Damit wird zentral, was die Universität einkauft und nach welchen Kriterien sie Beschaffungsentscheidungen trifft. Eine nachhaltigere Beschaffung kann über entsprechende Vorgaben und Prozesse systematisch verankert werden. Die Beschaffungsrichtlinie der TUD ist dabei ein wichtiger Ansatzpunkt.
Eine Herausforderung besteht allerdings darin, die mit Beschaffung verbundenen Emissionen möglichst genau zu erfassen. Die verfügbaren Emissionsfaktoren und Daten sind teilweise mit Unsicherheiten verbunden. Das bedeutet: Die Bilanz kann nicht für jedes Produkt und jede Leistung eine exakte Emissionsmenge ausweisen. Umso wichtiger ist es, mit den verfügbaren Daten zu arbeiten und ihre Qualität kontinuierlich zu verbessern. Gleichzeitig gilt es, dort anzusetzen, wo besonders große Emissionsminderungen zu erwarten sind.
Auch bei den Dienstreisen gibt es Handlungsmöglichkeiten. Hier zeigt sich, dass Klimaschutz nicht allein durch zentrale Vorgaben funktioniert, sondern auch durch gute Beispiele aus der Universität. Die Professur Technisches Design zeigt beispielsweise, wie sich Reiseaktivitäten und deren Auswirkungen systematisch betrachten und in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Hier entsteht derzeit ein Leitfaden, der auch anderen Bereichen als Orientierung dienen kann.
4. Wie ist das Klimaschutzkonzept entstanden und welche Rolle hat die Einbeziehung der Hochschulmitglieder gespielt?
Die Erarbeitung des Klimaschutzkonzepts war ein gemeinsamer Prozess, an dem verschiedene Bereiche und Akteur:innen der TUD beteiligt waren. Unterstützt wurde die TUD dabei von der Firma plant values GbR, die ihre fachliche Expertise bei der Erstellung der THG-Bilanz, bei der Maßnahmenentwicklung und bei der Prozessgestaltung eingebracht hat. Gleichzeitig war es wichtig, Perspektiven und Erfahrungen aus der Universität selbst einzubeziehen.
Bei der Zukunftswerkstatt im Januar 2026 konnten Mitglieder der TUD ihre Perspektiven, Erfahrungen und Ideen einbringen. Auch die AG Klimaschutzkonzept der Kommission Umwelt, die Gruppe Umweltschutz und das Nachhaltigkeitsmanagement waren in die Entwicklung der Maßnahmen und die Erstellung des Klimaschutzkonzepts eingebunden. So konnten unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und die Maßnahmen auf die konkreten Bedingungen der TUD ausgerichtet werden.
Die anschließende Beratung und Beschlussfassung in den Gremien führte zur einstimmigen Zustimmung des Konzepts durch Senat und Rektorat. Damit liegt nun eine gemeinsame Grundlage für die weitere Arbeit vor.
5. Wie geht es jetzt weiter?
Mit dem Beschluss des Klimaschutzkonzepts ist eine gemeinsame Grundlage für die weitere Arbeit geschaffen. Nun geht es darum, die darin formulierten Ziele und Maßnahmen in die Umsetzung zu bringen. Dafür müssen konkrete Verantwortlichkeiten, zeitliche Perspektiven und die notwendigen Ressourcen betrachtet werden. Gleichzeitig ist die Umsetzung als fortlaufender Prozess zu verstehen: Erfahrungen aus der Praxis können zeigen, wo Maßnahmen angepasst, weiterentwickelt oder ergänzt werden müssen.
Die 22 priorisierten Maßnahmen sind eng mit dem Umweltprogramm und der Nachhaltigkeitsstrategie der TUD verknüpft. Bei manchen Vorhaben kann die TUD unmittelbar selbst aktiv werden, bei anderen sind Abstimmungen mit Partner:innen und Entscheidungsträger:innen notwendig.
Klimaschutz wird damit zu einer Querschnittsaufgabe, die viele Bereiche der Universität betrifft. Entscheidend wird sein, die Handlungsmöglichkeiten der TUD konsequent zu nutzen und zugleich dort Kooperationen anzustoßen, wo Veränderungen nicht allein aus der Universität heraus möglich sind. So kann aus dem Klimaschutzkonzept Schritt für Schritt konkretes Handeln werden – und aus dem gemeinsamen Ziel messbarer Fortschritt.